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Familie & Beruf

Erziehung: Ab wann? Wie? Regeln?

Junge Eltern fragen sich, ab wann sie mit der Erziehung ihres Kindes beginnen sollen. Im Idealfall sollte das Erziehen ein Nebenprodukt des Beziehungsaufbaus sein. Wenn Rituale klug in den Alltag integriert werden und Konsequenz vorgelebt wird, wird ein "Nein" seltener.

Die ersten Tage

Im ersten halben Lebensjahr des neuen Erdenbürgers ist das Wort "Erziehung" noch vollkommen fehl am Platz. In dieser Phase geht es nur um die unverzügliche Bedürfnisbefriedigung des Kindes. Es kann sich meist nur durch Schreien mitteilen, und die Aufgabe der Eltern - insbesondere der Mutter - ist es, das Bedürfnis zu erkennen und zu stillen. Je nach Entwicklung des Kindes kann diese Situation bis zum Ende des ersten Lebensjahres andauern. Die Wirkung von Ritualen ist auch in dieser Zeit schon spürbar: Wiedererkennung gibt dem Kind Sicherheit - auch wenn es dies noch nicht artikulieren kann.

 

Beginn der Mobilität

Mit dem ersten Krabbeln beginnt das Kind, sich physisch und psychisch abzunabeln und selbstständiger zu werden. Doch trotz des Fortbewegens und des Lernprozesses, hierdurch etwas erreichen oder ändern zu können, ist das Kind immer noch ein Baby. Es kann eine Konsequenz und daraus resultierende Verbote nicht einsortieren. Die grosse, neue Welt ist ein noch fremdes Experimentierfeld - und nur langsam setzen sich Erkenntnisse zusammen, die aus Beobachtungen resultieren. Was wie Trotz oder Auflehnung wirkt, ist Unverständnis. Logische Schlussfolgerungen sind dem Kind noch nicht möglich und Verbote daher unverständlich. Wenn etwas zu Bruch geht oder etwas Unerwünschtes passiert, ist das in dieser Phase immer noch die Konsequenz aus elterlichem Verhalten.

 

Die Sprache kommt hinzu

Mit den ersten Worten, unter denen sich oft das "Nein" befindet, entsteht eine neue Verständigungsebene. Das Kind erfährt durch sein "Nein" erstmals den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung - und beginnt zu erahnen, was Konsequenz bedeutet. In der beginnenden verbalen Kommunikation können Eltern wenige und wirkungsvoll gesetzte Verbote in den Umgang mit ihrem Kind einfliessen lassen. Dabei sollten negative Mimik und Gestik vermieden werden, um das Nein nicht als "böses" Wort zu konnotieren. Gelassen vorgebrachte, kurze Erklärungen zum Nein "betten die Wirkung ein" und vermitteln dem Kind, dass es sich um einen alltäglichen Vorgang handelt. Nach Möglichkeit sollte jedes "Nein" des Kindes akzeptiert oder - sofern dies nicht möglich ist - zumindest mit einer Erklärung deutlich als wahrgenommen kommuniziert werden.

 

Teamarbeit gewinnt

Mit dem sich schnell erweiternden Austausch zwischen Kind und Eltern entstehen immer häufiger Situationen, die in der Konsequenz Verbote nach sich ziehen. Jetzt gilt es, den autoritären Charakter der Verbote abzumildern und dem Kind zu zeigen, dass Gefahrenabwehr oder Lebensorganisation die Motive darstellen. Das Erklären von Verboten nimmt ihnen die Schärfe. Wenn das Kind ein Verbot nicht versteht, sollten Eltern in einzelnen Fällen - wie beispielsweise beim Verhalten im Strassenverkehr oder dem Umgang mit Strom, Feuer und Wasser - dem Kind klar kommunizieren, dass es in diesem Fall keine Diskussion gibt. Wenn im Trotzalter die Fragen nach dem "Warum" nicht enden wollen, ist als probate Begründung auch ein "Weil ich der Ältere bin!" zielführend. Allerdings sollten diese unbegründeten "Neins" die Ausnahme bleiben, da sie sich sehr schnell abnutzen. Das Kind fühlt sich dann nicht mehr als Mitglied im Team Familie, sondern gemassregelt und schlimmstenfalls zurückgesetzt.

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