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Familie & Beruf

Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Sicht einer Arbeitgeberin

Pro Juventute hat in Ihrer Sonderbroschüre einen Auszug aus dem Interview mit Nadja Lang, Geschäftsleiterin der Max Havelaar-Stiftung (Schweiz) zur Verfügung gestellt. Das gesamte Interview und viele nützliche Ergänzungstexte können im Extrabrief nachgelesen werden:

Pro Juventute: Welches sind aus Ihrer Sicht die grossen Herausforderungen, wenn ein Mitarbeiter Vater beziehungsweise eine Mitarbeiterin Mutter wird?

Nadja Lang: Für die Eltern bedeuten die neuen Lebensumstände oftmals eine grosse Herausforderung in Bezug auf ihre berufliche Situation. Sie müssen sich auf die Rollenverteilung im Zusammenhang mit Haushalt und Kinderbetreuung einigen und familienergänzende Betreuung organisieren. Oftmals müssen sich Frauen, die mehr als ein Kleinstpensum arbeiten wollen, auch heute noch gesellschaftlich rechtfertigen, weshalb sich viele einem grossen Druck aussetzt fühlen. Werdende Eltern, viel häufiger jedoch die Mütter, kommen mit dem Wunsch zu uns, ihr Arbeitspensum zu reduzieren. Dies ist für uns als Arbeitgeber oft eine grosse Herausforderung, denn kleine Pensen sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht meist nicht unbedingt wünschenswert.


Pro Juventute: Wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen um? Welche konkreten Massnahmen treffen Sie?

Nadja Lang: Diesbezüglich attraktive Bedingungen anzubieten, ist uns als Organisation ein wichtiges Anliegen. Gleichzeitig ist es auch ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, um auf dem Arbeitsmarkt qualifizierte Arbeitskräfte anzuziehen und zu halten, da wir als Non-Profit-Organisation weniger finanziellen Anreiz bieten können. Wir haben zahlreiche 80-Prozent-Stellen auch in Führungspositionen. Noch viel wichtiger als das Pensum ist aus meiner Sicht aber die beidseitige Flexibilität, die wir mit dem Jahresarbeitszeitmodell unterstützen. Bei nicht verschiebbaren Kundenmeetings erwarten wir auch an freien Tagen Präsenz, genauso haben wir aber auch Verständnis für einen Schulbesuch an einem Arbeitstag. Diese Möglichkeiten werden auch immer mehr von jungen Vätern wahrgenommen, was mich besonders freut.

 

Pro Juventute: Was würde Ihnen als Arbeitgeber helfen, um junge Eltern in Ihrem Unternehmen (noch) besser unterstützenzu können?

Nadja Lang: Wenn andere Firmen und Organisationen vermehrt mitziehen würden punkto flexibler Arbeitszeit sowie im Bereich von Teilzeitanstellungen. Die Belastung wäre so im Idealfall auf die Arbeitgeber beider Elternteile verteilt. Arbeiten Frauen über lange Zeit in zu tiefen Teilzeitpensen, leidet ihre Karriere. Darum ist es wichtig, dass auch für Väter flexiblere Bedingungen geschaffen werden. Es muss selbstverständlich werden, dass auch sie die Verantwortung für die Kinder übernehmen. Eine Erhöhung der Steuerabzüge für die Kinderbetreuung wäre aus wirtschaftlicher Sicht ebenfalls eine sinnvolle Massnahme, da die Berufsarbeit zu Wertschöpfung in den unterschiedlichsten Bereichen beiträgt.

Wir danken der Pro Juventute herzlich, dass Sie uns dieses Interview zur Verfügung gestellt haben. Das gesamte Interview kann im Extrabrief: Vereinbarkeit Familie & Beruf beim Pro Juventute Online Shop bezogen werden:

Hier der entsprechende Link: Extrabrief Familie & Beruf

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