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Geburt

Was tun bei Beckenendlage / Steisslage?

Lageanomalien: Keine Angst vor der Beckenendlage Obwohl die Beckenendlage nur wenige werdende Mütter betrifft, fürchten viele diese Diagnose. Insbesondere die Aussicht auf einen Kaiserschnitt sorgt für Bedenken. Dabei ist dieser Eingriff bei Steisslage nicht zwingend nötig - die Lage des Babys lässt sich oftmals von aussen ändern

Die Beckenendlage (BEL) oder Steisslage zählt zu den sogenannten Lageanomalien in der Schwangerschaft. Konkret bedeutet die Diagnose: Das Baby liegt im Mutterleib nicht mit dem Köpfchen, sondern mit dem Beckenende beziehungsweise dem Steiss nach unten. Bis etwa zur 24. Schwangerschaftswoche ist das gar nicht so ungewöhnlich: Rund ein Drittel aller Ungeborenen befinden sich bis zu diesem Zeitpunkt noch in Steisslage und drehen sich erst in den letzten Schwangerschaftswochen.

 

Häufigkeit und Ursachen

Erst wenn sich das Baby auch in den letzten Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin noch nicht gedreht hat, muss möglicherweise mit Komplikationen bei der Geburt gerechnet werden. Betroffen sind davon mit drei bis fünf Prozent vergleichsweise wenige werdende Mütter. Was genau die Steisslage verursacht, ist in vielen Fällen nicht bekannt - dementsprechend ist auch eine präventive Behandlung nicht möglich. Bekannt ist allerdings, dass die Anomalie bei einigen Diagnosen gehäuft auftritt, etwa bei Mehrlingen, Gebärmutterfehlbildungen und -myomen, tief- oder vorliegender Plazenta oder Frühgeburten. Beckenendlagen sind auch dann häufiger zu erwarten, wenn die Frauen schon einmal ein Kind zur Welt gebracht haben, selbst eine Steissgeburt waren und zu wenig oder zu viel Fruchtwasser haben.

 

Gefahren der Beckenendlage

Die Diagnose BEL ist grundsätzlich kein Grund zur Panik: Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen erkennt der Arzt die Situation und kann rechtzeitig Massnahmen empfehlen, um das Risiko für Mutter und Kind unter der Geburt zu minimieren. Soll die Entbindung spontan und natürlich stattfinden, sind erfahrene Geburtshelfer notwendig, die währenddessen schnell und richtig eingreifen können. Sinnvoll ist es daher, sich vor der Geburt über Spitäler zu informieren, die sich auf BEL-Geburten spezialisiert haben.

Da das Kind nicht mit dem Köpfchen, sondern mit Po, Füssen und Beinen voran geboren wird, wird der Geburtskanal nicht ausreichend geweitet - das relativ grosse Köpfchen muss unter grosser Kraftanstrengung zuletzt geboren werden. Unter Umständen ist deshalb ein Dammschnitt notwendig, um die Geburt zu erleichtern. Darüber hinaus muss die Entbindung möglichst rasch erfolgen, da sonst die Gefahr einer Sauerstoffunterversorgung und von Nabelschnurvorfällen für das Baby besteht. Beides kann schlimmstenfalls zu Schädigungen des Nervensystems oder sogar zum Tod des Babys unter der Geburt führen.

 

Sichere Wahl: geplanter Kaiserschnitt

Aufgrund der möglichen Gefahren - aber auch, weil gerade junge Geburtshelfer kaum über die nötige Erfahrung und das Wissen um die BEL-Geburt verfügen - raten viele Ärzte bei der Diagnose Steisslage zum Kaiserschnitt. Mit der sogenannten Schnittentbindung wird das Risiko von Geburtsschäden zumindest für das Baby deutlich gesenkt und es kann unabhängig von seiner Lage auch von einem unerfahreneren Ärzteteam entbunden werden. Werdende Mütter sollten bedenken, dass sie sich damit einem chirurgischen Eingriff unterziehen, der zwar in der Regel schnell und relativ komplikationsarm stattfindet, aber auskuriert werden muss.

 

Alternative Behandlungsmethoden

Alternativ zum Kaiserschnitt ist es für Frauenärzte und Hebammen möglich, das Baby auch noch in den letzten Schwangerschaftswochen im Mutterleib zu drehen. Ab der 36. Schwangerschaftswoche kann zum  Beispiel eine äussere Wendung vorgenommen werden. Dabei versucht der Arzt oder die Hebamme, das Baby von aussen mit besonderen Handgriffen und Druck zu wenden. Zu beachten ist jedoch, dass dieser Versuch vorzeitige Wehen oder das Ablösen der Plazenta verursachen kann. Schonender sind Behandlungsmethoden wie die Wende durch Lichtanreiz, mit Hilfe von Moxibustion (gezielte Erwärmung bestimmter Punkte des Körpers) oder Akupunktur. Werdende Mütter können auch die Indische Brücke, eine Becken-Lagerungsübung, nutzen, um das Baby vor der Geburt dazu zu bewegen, sich zu wenden.

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