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Geburt

Wochenbett: Die Wochen nach der Geburt

Wenn die erste euphorische Freude über das Neugeborene langsam abebbt, setzt der Alltag mit dem Baby ein. Über Nacht wird alles anders. Gleichzeitig ist es für Frauen gerade in dieser Zeit besonders wichtig, stärker auf den eigenen Körper zu horchen

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Vor allem viele Hebammen führen diese Worte im Mund, weil ihnen die Ärzte zu viel Aufmerksamkeit auf die möglichen Risiken einer Schwangerschaft legen. Selbstverständlich sind Schwangerschaft und Geburt vollkommen gesunde Vorgänge und ein Grund zur Freude. Gleichwohl sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Zeit der Schwangerschaft und erst recht die Geburt körperlich wie psychisch extrem anstrengend sind. Nach der Geburt sind Frauen in jedem Fall erholungsbedürftig.

 

Das Wochenbett dauert mehrere Wochen

Auch wenn die Zeit nach der Geburt im Krankenhaus meist kurz bemessen ist, bedeutet dies nicht, dass damit die Nachbereitung der Geburt damit abgeschlossen ist. Um das Organisieren einer entsprechenden Nachsorge durch Frauenärztin, Frauenarzt oder Hebamme sollten Sie sich rechtzeitig vor dem errechneten Termin der Geburt kümmern. In den ersten Wochen nach der Geburt kommt es vor allem darauf an, körperliche Erholung zu suchen und sich in die neuen Aufgaben als frischgebackene Mutter einzufinden. Dies betrifft vor allem das Stillen des Kindes. In den ersten Tagen geben Mütter nur wenig Milch. Diese weist noch nicht die gewohnte weisse Farbe auf, sondern ist eher gelblich und zähflüssig. Die geringen Mengen wie auch die Konsistenz machen manche Mütter nervös. Hier sollten Sie sich vor Augen halten, dass der Magen eines Babys bei der Geburt nicht grösser ist als eine Murmel. Entsprechend oft muss es kleine Mengen trinken. Die gelbliche Vormilch hat den Vorteil, dass sie besonders viele Antikörper enthält. Diese sind für das Baby wichtig, weil es nach der Geburt erstmalig gesundheitlichen Bedrohungen durch Keime ausgesetzt ist. Nach zwei bis sieben Tagen erfolgt dann der Milcheinschuss. Die Brüste werden dabei regelmässig schwer und prall, weil der Körper zunächst lieber etwas zu viel als zu wenig Milch produziert. Dies kann zu einem schmerzhaften Ziehen in der Brust führen.

Doch die hormonelle Umstellung, die zum Milcheinschuss führt, hat noch eine weitere Komponente. Manche Frauen erleben in diesem Zeitraum eine so genannte Postnatale Depression. Dieses psychische Tief nach der Euphorie der Geburt fällt häufig mit dem dritten Lebenstag des Kindes und der Entlassung aus dem Krankenhaus zusammen. Die Mutter ist dann nicht nur seelisch in einer schwierigen Verfassung, sondern zudem auch noch erstmalig allein für das Wohl des eigenen Kindes verantwortlich.

 

Die Rolle der Väter während der Zeit des Wochenbetts

Insofern kommt es gerade in den ersten Tagen nach der Geburt entscheidend darauf an, dass der Partner voll für die Mutter da ist. Berufliche und sonstige Belange haben dann im Zweifel zurückzustehen. Denn es fällt Frauen deutlich leichter, die trübe Stimmung im Zuge der hormonellen Umstellung des Körpers zu verarbeiten und zu überwinden, wenn sie sich bei ihrem Partner geborgen fühlt und von diesem den Rücken gestärkt bekommt. Da es im Rahmen der Geburt häufig zu Verletzungen im Intimbereich kommt, sollte das Bett zu Anfang möglichst wenig verlassen werden. Entsprechend wichtig ist es für werdende Väter, sich rechtzeitig in die zusätzlichen Aufgaben einzuarbeiten, die während des Wochenbetts nicht durch die Mutter erledigt werden können. Um genügend Milch zu produzieren benötigt die Frau eine ausreichende und vor allem gesunde und ausgewogene Ernährung. Da das Kind in dieser Zeit, schon wegen des Stillens, vor allem viel Zeit mit der Mutter benötigt, sollte das Kochen durch den Partner übernommen werden. Entsprechend wichtig ist es für werdende Väter, sich rechtzeitig mit der Zubereitung gesunder Mahlzeiten sowie den Auswirkungen bestimmter Lebensmittel und Gewürze auf den Milchfluss auseinanderzusetzen. Gleichzeitig sorgt ein Neugeborenes in der Regel dafür, dass wesentlich mehr Wäsche gewaschen werden muss. Auch hierbei ist es hilfreich, sich als Vater nicht erst nach der Geburt mit dem Thema Wäschewaschen zu beschäftigen. Wenn es eine Zeit gibt, in der die Partnerin in besonderer Weise auf Hilfe und Entlastung durch den Mann angewiesen ist, dann ist es die Zeit im Wochenbett. Dies wirkt sich nicht zuletzt auch positiv auf die Entwicklung des Kindes aus. Denn je entspannter die Mutter ist, desto besser kann in der Regel auch das Neugeborene entspannen.

 

Gesundheitliche Risiken ernst nehmen

Eine Geburt stellt eine enorme körperliche Belastung für die gebärende Frau dar. Entsprechend wichtig ist es, den Regenerationsprozess des Körpers mit der nötigen Ruhe aber auch mit der gebotenen Gründlichkeit einzuleiten. Schonung ist in jedem Fall angesagt, solange Lochien auftreten. Dieses auch als Wochenfluss bezeichnete Sekret weist unmittelbar nach der Geburt eine rötliche Färbung auf, welche ab der zweiten Woche in ein braunrot und dann in eine gelbliche Farbe übergeht. Ab der dritten Woche sollte der Ausfluss farblos sein. Ist dies nicht der Fall und halten die Blutungen im Bereich der Scheide an, so ist in jedem Fall eine ärztliche Untersuchung notwendig.

Leider kann eine vorbildliche Nachsorge nicht vollständig verhindern, dass sich nach der Geburt gesundheitliche Komplikationen ergeben. Ein weiteres Beispiel hierfür ist Mastitis puerperalis. Hierbei handelt es sich um eine Entzündung der Brustdrüsen infolge des Stillens. Damit sich an den Brustwarzen kein dauerhafter Abszess bildet, müssen diese entsprechend behandelt werden. Neben Schmerzen an den Brustwarzen können als Symptome Fieber, eine Überwärmung und Rötung der Brust sowie eine Schwellung der Lymphknoten unter den Achseln und ein verändertes Milchsekret auftreten. Um ein vorzeitiges Abstillen zu verhindern, sollte eine Mastitis puerperalis medikamentös behandelt werden.

 

Zeit für die Kinder nehmen

Wenn das neue Baby das erste Kind in der Familie ist, ist alles neu und spannend. Meist sind zwei erwachsene Menschen wochenlang mit nichts anderem als der Betreuung und Beobachtung des Neugeborenen beschäftigt und trotzdem vollständig ausgelastet. Anders sieht es aus, wenn es sich um ein neues Geschwisterchen handelt. Dieses wird von älteren Schwestern und Brüdern meist deutlich besser akzeptiert, wenn sie nicht immer wegen des Babys zurückstecken müssen. Deshalb ist es gerade in der Zeit des Wochenbetts besonders wichtig, dass sich beide Elternteile möglichst viel Zeit für die Familie nehmen und das neue Leben in Ruhe beginnt.

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