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Kinderwunsch

Künstliche Befruchtung - Wege zur Schwangerschaft

Oft haben Paare den Wunsch nach Kindern. Aber in einigen Fällen ist es nicht so einfach und es klappt mit der Befruchtung auf natürlichem Wege nicht. Hier kann die künstliche Befruchtung Abhilfe schaffen und den Kinderwunsch wahr werden lassen.

Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch

Es ist ein ganz normaler und natürlicher Vorgang, wenn Sie nicht direkt oder nur sehr schwer schwanger werden. Das muss nichts mit einer Unfruchtbarkeit zu tun haben. Nur etwa die Hälfte aller Schwangerschaften erfolgt nach den ersten sechs Versuchen. 20 % aller Frauen müssen sogar über ein Jahr warten, bis sich der Wunsch erfüllt.

Für eine Schwangerschaft müssen eine ganze Reihe von Faktoren gegeben sein, damit sie gelingt. Unter optimalen Bedingungen liegt die Erfolgsquote für eine Schwangerschaft bei etwa 25 %. Das bedeutet, dass es hier bei 100 Versuchen zur Schwangerschaft tatsächlich nur zu 25 Geburten kommt. Dazu kommen noch die Fälle, bei denen die Natur eine Einnistung aufgrund einer Chromosomenanomalie gar nicht erst zustande kommen lässt. Aber auch nach der Einnistung ab der fünften Schwangerschaftswoche gibt es noch eine Abortqoute von 15 %. Wie Sie sehen, verfügt die Natur über eine Vielzahl verschiedener Mechanismen, um Gendefekte auszusondern.

Studien belegen, dass eine schnelle Schwangerschaft etwa bei 80 % der Frauen innerhalb des ersten Jahres nach Beginn der "Versuchsphase" erfolgt. Erst wenn nach zwei Jahren während einer sexuellen Beziehung ohne Verhütung keine Schwangerschaft eintritt, spricht der Mediziner von einer Sterilität bzw. Unfruchtbarkeit.

In diesen Fällen ist eine Unterstützung des natürlichen Prozesses durchaus sinnvoll. Allerdings sollten ältere Paare ab 35 Jahren höchstens ein Jahr statt der genannten zwei Jahre warten. Hier ist eine diagnostische Abklärung nötig. Sollte der Kinderwunsch besonders stark sein, helfen neben einfachen Methoden wie einer Hormonbehandlung auch aufwendige Verfahren, wie etwa die In-vitro-Fertilisation oder die intrazytoplasmatische Spermainjektion. Aber auch diese Verfahren sind kein Garant für eine Schwangerschaft.

 

Ursachen für Unfruchtbarkeit

Auch wenn man sich immer länger jung und fit fühlt, so tickt die biologische Uhr doch weiter. Das Alter ist also sehr wichtig für eine Schwangerschaft. Liegt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, im Alter von 20 bis 25 Jahren noch bei etwa 30 % pro Zyklus, ist diese Wahrscheinlichkeit bei über 40-Jährigen nur noch zu etwa 3 % gegeben.

Das liegt unter anderem daran, dass im Alter Eileiterverschlüsse, Myome und Endometriosen zunehmen. Daneben wird auch die Qualität der Eizellen schlechter. Diese Eizellen oder auch Primordialfollikel sind bei der Frau von Geburt an vorhanden und nehmen alle körperlichen Veränderungen wahr. Das heisst, ihre Qualität ist auch vom Lebensstil der Frau abhängig. Das ist auch der Grund einer erhöhten Anzahl von Fehlgeburten oder Chromosomenanomalien bei schwangeren, älteren Frauen. Deswegen kann selbst die künstliche Befruchtung keine Gewähr für einen Erfolg geben. Auch wenn sich die Schwangerschaft eingestellt hat, kann es noch zum Abort kommen.

 

Diagnose der Unfruchtbarkeit

Es ist auf jeden Fall ratsam, sich bei erfolglosen Versuchen, schwanger zu werden, beraten zu lassen. Reproduktionsmediziner helfen hier nicht nur im Alter, sondern auch in jungen Jahren. Bereits in ersten, frühen Gesprächen können Lösungen gefunden und angeboten werden. Wichtig ist auch, den Partner mit einzubeziehen und diesen ebenfalls untersuchen zu lassen, denn auch von ihm ist der Erfolg der Schwangerschaft abhängig.

Hier sind die folgenden Fragen von enormer Bedeutung:

  1. Ist der Eisprung regelmässig?
  2. Wie ist es um die Durchgängigkeit der Eileiter bestimmt?
  3. Wie gut ist die Samenqualität des Partners?

Wenn eine Hormonbehandlung oder die intrazytoplasmatische Spermainjektion nicht zur Schwangerschaft führen, werden weitere Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung aufgezeigt.

Verfahren

Hormonbehandlung

Hormone können sowohl den Zyklus stabilisieren als auch die Eizellenreifung fördern und einen Eisprung auslösen. Hierbei werden Hormone verwendet, die auch natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommen. Die Hormonbehandlung beginnt im Normalfall am dritten Tag des Zyklus. Hier wird eine Injektion unter die Haut in die Bauchdecke verabreicht oder die Medikamente werden in Tablettenform eingenommen. Wichtig ist, dass genügend FSH (follikelstimulierendes Hormon; reguliert Eizellenwachstum und Eizellenreifung) eingenommen wird. Das LH (luteinisierendes Hormon), für die Gelbkörperbildung und Förderung des Eisprungs zuständig, wird von den meisten Frauen selbst ausreichend produziert. Der Erfolg wird nach einigen Tagen mittels einer Ultraschalluntersuchung überprüft. Je nach Erfolg wird dann die Hormondosis angepasst. Wenn genügend Follikel vorliegen, wird der Eisprung in die Wege geleitet. Hierzu wird das Hormon hCG (humanes Choriongonadotropin) injiziert. Dieses Hormon ist für die Erhaltung der Schwangerschaft zuständig. Nach etwa 30 Stunden ist mit dem Eisprung zu rechnen. Prophylaktisch unterstützt die Behandlung nun die Gelbkörperphase, um somit eine Einnistungsstörung zu verhindern. Nach diesen Schritten kann die Befruchtung erfolgen - entweder auf natürlichem Weg oder mittels der Insemination.

Sollte es hier nach vier bis sechs Versuchen nicht zu einem Erfolg kommen, wird die In-vitro-Fertilisation in Betracht gezogen.

 

Intrauterine Insemination (Spermienübertragung)

Sind die Samenzellen das Problem, weswegen sich eine Schwangerschaft nicht einstellt, so ist diese Methode anwendbar. Aber auch bei Problemen mit dem Gebärmutterhals kann sie hilfreich sein. Durch sie verringert der Arzt den Weg zur Eizelle, indem er die Spermien mittels eines Katheters direkt in die Gebärmutter einlagert.

Ob nun der Follikel gross genug ist, zeigt eine Ultraschalluntersuchung. Bei mehr als drei Follikeln findet eine Follikelpunktion (Absaugung) der überflüssigen Follikel statt. Die Follikelpunktion verhindert, dass eine Mehrlingsschwangerschaft entsteht. Nach der eventuellen Follikelpunktion wird der Eisprung injektiös ausgelöst.

Das medizinische Personal bereitet das Sperma nun für die Injektion vor. Dazu reinigt es das Sperma mit einer speziellen Lösung und bereitet es anschliessend auf. Dieses Verfahren hat zur Folge, dass die Qualität leicht zunimmt. Die Spermien werden beweglicher und fehlerhafte oder starre Spermien werden durch Zentrifugieren ausgesondert. Die restliche Spermamenge (0,5 ml) injiziert der Arzt dann mit einem Katheter in die Gebärmutter. Die Insemination führen die meisten Ärzte in der Regel ambulant durch und sie ist absolut schmerzlos.

Die Wahrscheinlichkeit des Erfolges liegt zwischen 5 und 15 %. Daher sollte das Verfahren drei bis vier Mal wiederholt werden. Zum Vergleich sei erwähnt, dass die Erfolgschancen einer natürlichen Schwangerschaft auch nur bei etwa 20 - 25 % liegen. Sollte es nicht zu einer Schwangerschaft kommen, sind weitere Möglichkeiten wie die In-vitro-Fertilisation und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion zu beraten.

 

In-vitro-Fertilisation

Dieses Verfahren findet immer dann Anwendung, wenn andere Therapien keinen Erfolg gebracht haben, die Eileiter stark geschädigt sind oder eine Endometriose gegeben ist. Die Befruchtung ausserhalb des Mutterleibes bietet in diesen Fällen meist die einzige Hoffnung auf eine Schwangerschaft. Wenn der Grund beim Mann zu finden ist, so ist eine Weiterentwicklung der In-vitro-Fertilisation möglich. Hierbei handelt es sich um die intrazytoplasmatische Spermainjektion.

Bei dieser Methode sind ein sehr gutes Timing und eine genaue Abstimmung auf die persönliche Situation notwendig. Das Verfahren läuft wie folgt:

Eine Ei- und eine Samenzelle werden in einer Glasschale (in vitro) zusammengebracht. Wenige Stunden später werden sie nach der Befruchtung mit einem Katheter in die Gebärmutter eingesetzt. Die Erfolgswahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft liegt bei dieser Methode bei 25 %. Aber nur bei 50 % dieser Fälle erfüllt sich dann auch der Kinderwunsch. Trotzdem dürfen Sie die Risiken dieser Behandlung und auch den psychischen Aspekt sowie die Kosten nicht übersehen.

 

Kosten der Massnahmen

In der Regel trägt die Grundversicherung die Kosten für Diagnostik, Hormonbehandlung (ein Jahr) und die Insemination (drei Zyklen). Allerdings sollte hier der Vorbehalt der Sterilität nicht Bestandteil der Versicherung sein. Sie sollten sich daher im Vorfeld mit der Kasse in Verbindung setzen und diese Fragen abklären.

Die Versicherungen übernehmen die Kosten für eine künstliche Befruchtung bislang nicht. Die Kosten für die In-vitro-Fertilisation betragen bis zu 10.000 CHF pro Zyklus und somit teilweise wegen der notwendigen drei Zyklen bis zu 30.000 CHF.

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